Nasslackierung vs. Pulverbeschichtung: Welches Verfahren eignet sich wann?

Nasslackierung vs. Pulverbeschichtung: Welches Verfahren eignet sich wann?

Bei der Oberflächenveredelung industrieller Bauteile stehen zwei Hauptverfahren zur Wahl: die Nasslackierung (auch Flüssiglackierung) und die Pulverbeschichtung. Beide Verfahren haben ihre Berechtigung – doch die richtige Wahl hängt vom Einsatzzweck, Material und den Anforderungen des Endprodukts ab.

Als Spezialist für Nasslackierung in der Automobilindustrie erklären wir die wesentlichen Unterschiede und zeigen, wann welches Verfahren die bessere Wahl ist.

Was ist Nasslackierung?

Bei der Nasslackierung wird ein flüssiger Lack – bestehend aus Bindemitteln, Lösemitteln, Pigmenten und Additiven – auf das Werkstück aufgetragen. Dies geschieht per Spritzlackierung (manuell oder robotergestützt), Tauchlackierung oder Walzenauftrag.

Der Lack härtet anschließend bei Temperaturen zwischen 50 und 90 °C aus. Verwendet werden sowohl 1K- als auch 2K-Lacksysteme auf Wasser- (Hydro) oder Lösemittelbasis.

Vorteile der Nasslackierung

  • Höchste optische Qualität: Class-A-Oberflächen mit gleichmäßigem Verlauf, wie sie in der Automobilindustrie gefordert werden
  • Breite Substratvielfalt: Geeignet für Metalle, Kunststoffe (ABS, PA, PC, PP, PE, PBT) und CFK/Carbon
  • Niedrige Einbrenntemperaturen: Ab 50 °C möglich – entscheidend für temperaturempfindliche Kunststoffe
  • Farbtonflexibilität: Praktisch jeder Farbton realisierbar, inklusive Effektlacke, Metallic und Sonderlacke
  • Mehrschichtaufbau: Primer, Basislack und Klarlack in einem Prozess – ideal für höchste Korrosions- und UV-Beständigkeit; aber auch exklusiver Aufbau mit 2 unterschiedlichen Basislacken oder auch eingefärbten Klarlacken.
  • Kleine bis große Serien: Von Einzelstücken bis über 1.000.000 Teile pro Jahr wirtschaftlich darstellbar. Große Bauteile in kleineren Stückzahlen, kleine Bauteile in großen Stückzahlen.

Typische Anwendungen

  • Automobilzulieferung (Stoßfänger, Spiegelgehäuse, Seitenschweller, Spoiler, PDC-Sensoren, Zierleisten und vieles mehr)
  • Interieur- und Exterieur-Bauteile mit Sichtanforderung
  • Medizintechnik und Elektronik
  • Designprodukte und Premiumoberflächen wie exklusive Fahrräder oder Tennisschläger

Was ist Pulverbeschichtung?

Bei der Pulverbeschichtung wird ein trockenes Pulver elektrostatisch auf das Werkstück aufgeladen und anschließend bei 160 bis 220 °C im Ofen eingebrannt. Das Pulver schmilzt, vernetzt und bildet eine durchgehende Schicht.

Vorteile der Pulverbeschichtung

  • Hohe mechanische Beständigkeit: Schlagfest, kratzresistent, chemikalienbeständig
  • Wirtschaftlich bei Großserien: Kein Lösemitteleinsatz, Overspray wird recycelt
  • Umweltfreundlich: Keine VOC-Emissionen (flüchtige organische Verbindungen)
  • Gleichmäßige Schichtdicke: Auch an Kanten und Ecken gute Abdeckung

Einschränkungen der Pulverbeschichtung

  • Hohe Einbrenntemperaturen (160–220 °C): Kunststoffe wie PP, ABS oder PA sind damit ausgeschlossen
  • Begrenzte Farbtonauswahl: Effektlacke, Metallic-Töne und Sonderlacke nur eingeschränkt möglich
  • Dickere Schichten: Mindestens 60 µm – für filigrane Bauteile oder enge Toleranzen problematisch
  • Keine Class-A-Oberflächen: Die Oberflächenqualität erreicht nicht das Niveau der Nasslackierung

Direktvergleich: Nasslackierung vs. Pulverbeschichtung

Kriterium Nasslackierung Pulverbeschichtung
Oberflächenqualität Class-A, höchste Optik Gut, aber nicht Class-A
Substrate Metall + alle Kunststoffe + CFK Nur Metall (temperaturbeständig)
Einbrenntemperatur 50–120 °C 160–220 °C
Schichtdicke 10–80 µm (präzise steuerbar) 60–120 µm (Minimum höher)
Farbtonvielfalt Unbegrenzt inkl. Effektlacke Eingeschränkt
Mehrschichtaufbau Ja (Primer + Basis + Klarlack) Meist einschichtig
Mechanische Beständigkeit Gut bis sehr gut Sehr gut bis exzellent
Korrosionsschutz Sehr gut (mit Mehrschichtsystem) Sehr gut
Umwelt (VOC) Wasserbasiert: niedrig / Lösemittel: höher Keine VOC
Stückzahlen Einzelstück bis >1 Mio/Jahr Am wirtschaftlichsten in Großserie
Automotive-Tauglichkeit Ja (IATF 16949) Eingeschränkt (keine Sichtteile)

Wann ist Nasslackierung die richtige Wahl?

Die Nasslackierung ist das Verfahren der Wahl, wenn:

  • Das Bauteil aus Kunststoff besteht (ABS, PA, PP, PC, PE, CFK)
  • Class-A-Oberflächen gefordert sind (Sichtteile im Automobilbereich)
  • Spezielle Farbtöne oder Effektlacke benötigt werden
  • Die Schichtdicke präzise gesteuert werden muss
  • Ein Mehrschichtaufbau für maximalen Schutz gewünscht ist
  • Das Projekt IATF 16949-Konformität erfordert

Wann eignet sich Pulverbeschichtung besser?

Pulverbeschichtung ist sinnvoll, wenn:

  • Das Werkstück aus Metall besteht und hohe Temperaturen verträgt
  • Maximale mechanische Beständigkeit wichtiger ist als Optik
  • Es sich um Nicht-Sichtteile handelt (Rahmen, Gestelle, Träger)
  • Standardfarbtöne (RAL) ausreichen
  • VOC-freie Beschichtung zwingend vorgeschrieben ist

Fazit: Beide Verfahren haben ihre Stärken

Die Entscheidung zwischen Nasslackierung und Pulverbeschichtung ist keine Frage von „besser oder schlechter“ – sondern von „richtig für die Anwendung“. Für die Automobilbranche mit ihren hohen Anforderungen an Optik, Substratvielfalt und Flexibilität ist die Nasslackierung in den meisten Fällen das Verfahren der Wahl.

Bei EINHAUS verarbeiten wir ausschließlich Nasslacke – weil unsere Kunden aus der Automobilindustrie genau das brauchen: makellose Oberflächen, flexible Farbtöne und die Möglichkeit, praktisch jedes Substrat zu veredeln.

Sie haben Fragen zur richtigen Beschichtungsmethode für Ihr Projekt? Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne.

Häufige Fragen zu Nasslackierung und Pulverbeschichtung

Kann man Kunststoffe pulverbeschichten?

Nein, die Pulverbeschichtung erfordert Einbrenntemperaturen von 160 bis 220 °C. Die meisten Kunststoffe wie ABS, PA, PP, PC oder PE würden sich bei diesen Temperaturen verformen oder zersetzen. Für Kunststoffbauteile ist die Nasslackierung das einzige geeignete Verfahren, da hier bereits ab 50 °C getrocknet werden kann.

Welches Verfahren ist besser für Automotive-Sichtteile?

Für Sichtteile in der Automobilindustrie ist die Nasslackierung klar überlegen. Nur sie erreicht Class-A-Oberflächenqualität mit gleichmäßigem Verlauf, Effektlacken und präziser Farbtonabstimmung. Die Pulverbeschichtung eignet sich dagegen für Nicht-Sichtteile wie Rahmen, Gestelle und Träger.

Was kostet mehr – Nasslackierung oder Pulverbeschichtung?

Die Kosten hängen stark vom Projekt ab. Die Pulverbeschichtung hat geringere Materialkosten (kein Lösemittel, Overspray wird recycelt), erfordert aber höheren Energieeinsatz durch die Einbrenntemperaturen. Die Nasslackierung ist bei kleinen Serien und komplexen Anforderungen oft wirtschaftlicher, da keine speziellen Pulverfarben vorgehalten werden müssen.

Ist Nasslackierung umweltschädlich?

Moderne Nasslackierung setzt zunehmend auf wasserbasierte Lacksysteme mit deutlich reduzierten VOC-Emissionen. Bei EINHAUS werden alle Lacke temperaturüberwacht gelagert und umweltverträglich entsorgt. Unser Umweltmanagementsystem ist nach ISO 14001 zertifiziert.

Welche Schichtdicke ist bei der Nasslackierung möglich?

Bei der Nasslackierung sind Schichtdicken von 10 bis 80 µm präzise steuerbar. Im Vergleich dazu liegt die minimale Schichtdicke bei der Pulverbeschichtung bei etwa 60 µm. Die dünneren Schichten der Nasslackierung sind besonders vorteilhaft bei Bauteilen mit engen Toleranzen.


Über EINHAUS Oberflächenveredelung GmbH: Seit 1983 Spezialist für Industrielackierung und Nasslackierung in Bingen am Rhein. Als Systemlieferant auf Tier-1- und Tier-2-Ebene lackieren wir für namhafte Unternehmen der Automobilindustrie. Zertifiziert nach IATF 16949, ISO 9001 und ISO 14001.

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